Levi's und die DDR-Jeans - 1960er - das Begehren nach Jeans Levi's und die DDR-Jeans - 1960er - das Begehren nach Jeans

Levi’s und die DDR-Jeans – von den 1960er und dem Begehren der Nietenhose

„Die Hose des Klassenfeindes“ so nannte die SED in den 1960er Jahren die Jeans. Später gab es die eigene DDR-Jeans. Aber wie kam es zu dieser Entwicklung? Und welche Rolle spielte das Unternehmen Levi’s in dieser Geschichte? Heute werfen wir wieder einen kleinen Blick in die Vergangenheit und schauen uns an, wie die Texas- oder auch Nietenhose in die DDR kam.

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Die Hose des Klassenfeindes

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Jeans: das Symbol für den Klassenfeind
Bildquelle: Levi

In den 1960er Jahren fuhr die DDR einen aggressiven Kurs gegen alles, was in den Augen der SED-Regierung zu amerikanisch war. Die Mode in der DDR wurde rigoros kontrolliert. Lange Haare, Rockmusik und Jeans wurden als ein Ausdruck des amerikanischen Lebensgefühls wahrgenommen – und verachtet. Von einer eigenen DDR-Jeans fehlte da noch jede Spur. Sowohl in West-, als auch in Ostdeutschland gab es bereits seit Ende der 1940er Jahren die ersten Jeans zu kaufen, sogar aus eigener Produktion. Damals auch gerne mal Texashose genannt, stand sie für Freiheit und ein amerikanisches Lebensgefühl. Aufgrund der Greaser-Szene und anderen Jugendbewegungen schnell auch ein Zeichen für Rabauken.

Die Jeans als Statement

Immer noch ein Statement -die Levi’s Jeans

Obwohl die Jeans nie richtig verboten wurde, wurde dennoch ihr Import eingestellt, verhindert und auch die Hose im Osten nicht produziert. Gerade die Tatsache, dass es keine eigene DDR-Jeans in dieser Zeit gab, machte aus der Jeans ein Statement. Die Hose wurde immer populärer und bei den Jugendlichen tatsächlich so etwas wie ihre eigene Mode in der DDR. Sie stand in Verbindung mit geschmuggelten Bravo-Magazinen und Platten mit West-Musik. Eine Jeans zu tragen, war ungern gesehen. Mit der Nietenhose konnte die Jugend sich gegen die Eliten und ihre Eltern auflehnen und ein bisschen rebellisches Lebensgefühl zum Ausdruck bringen.

Verbote und Verweise

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Mode-Statement einer ganzen Generation.
Bildquelle: KI erstellt bei Canva

Irgendwann wurde es den Behörden der DDR zu viel. In vielen Institutionen wurde das Tragen einer Jeans zum Problem. Wird in der Schule jemand mit einer Jeans gesehen, dann drohte ein Schulverweis. Aber auch in den Klubhäusern wurde der Einlass verboten, wenn man eine Nietenhose trug. Die Jeans ganz aus der Mode in der DDR zu verbannen, gelang allerdings nie. Denn gerade die Künstler-Szene in der DDR trat immer wieder in der begehrten blauen Hose auf. Von Schlagersängern, bis hin zu Theater- und Film-Schauspielern. Noch gab es aber keine eigene DDR-Jeans. Die Hose wurde ebenso wie Musik und Magazine teuer in Ungarn gekauft.

Levi’s und die DDR-Jeans

Um der Jeans aus dem Westen entgegenzuwirken, entwickelt man im Osten schließlich 1974 eine eigene Version, eine DDR-Jeans. Statt blauem Denim wurde brauner Cord verwendet, der Schnitt blieb aber ähnlich. Die Hose bekommt den wunderbar passenden Namen „Doppelkappnahthose“. Trotz des einprägsamen und überhaupt nicht umständlichen Namens, kann sich die eigene DDR-Jeans nicht gegen die in der DDR nicht erwerblichen blauen Klassiker aus den USA durchsetzten. Eine Lösung muss her, um die Mode in der DDR endlich wieder in den Griff zu bekommen, nicht dass mit der blauen Hose auch noch zu viel amerikanisches und westliches Lebensgefühl und Gedankengut den Arbeiter- und Bauernstaat erreicht.

Der Millionen-Deal

Hier bekommt ihr Levis‘ auch in geringere Stückzahl

Im Jahr 1978 musste eine Lösung her. Die Nachfrage nach einer eigenen DDR-Jeans war da, aber so richtig lief die Produktion nicht. Schließlich traf Erich Honecker die Entscheidung: über das Ministerium für Leichtindustrie wurde zur „Bedarfsbefriedigung“ eine Menge von 1 Million Jeans der Marke Levi’s aus den USA bestellt. Das Ganze wurde dann als große sozialistische Tat dargestellt. Die Firma Levi’s sichere durch gute Arbeitsbedingungen Arbeitsplätze in den USA und schließlich müssen alle Arbeiter der Welt zusammenhalten. Jetzt war sie da, die Blue-Jeans und die Mode in der DDR wieder unter Kontrolle. Aber wie verteilt man die Hose ohne Hamsterkäufe und Rangeleien?

Die Blue-Jeans aus der Betriebskantine

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1987 besaß jeder Jugendlich im Schnitt zwei Jeans.
Bildquelle: KI erstellt bei Canva

Mit dem Verkauf der beliebten Freizeithose fürchtete man lange Schlangen, Hamsterkäufe und sogar Prügeleien, denn über die Popularität der Hose war man sich bewusst. Die SED entschied sich zu einer Verteilung der beliebten Hose über die Kantinen der vielen Staatsbetriebe. In den Mittagspausen wurde die Hose an die Arbeiter verkauft, natürlich nur unter Vorlage des Betriebsausweises. Und schnell wurde klar: Die bestellte Stückzahl der Levi’s Jeans reichte nicht aus! Die Produktion der nicht ganz so beliebten Doppelkappnahthose wurde noch im selben Jahr auf blauen Denim-Stoff umgestellt. Eine eigene DDR-Jeans.

Die Jeans wird Mode in der DDR

Mit der Geburt der echten eigenen DDR-Jeans konnte man endlich dem hohen Bedarf nach der gefragten Levi’s Blue-Jeans entgegenwirken. Produziert wurde die Hose nun in der DDR. Eigene Marken wurden erfunden, mit passenden Namen, die nach Amerika und Wild-West klangen, wie etwa Boxer oder Wisent (der europäische Bison). Endlich schien alles nach Plan zu laufen. Wer konnte schon dem Angebot von Blue-Jeans der Marken Boxer, Wisent und Shanty widerstehen? Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Jugend wollte wieder einmal nicht das tun, was die SED-Regierung für sie vorsah. Die DDR-Jeans wurde nicht gekauft.

Das Jeans tragende Land schlechthin

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Der begehrte Stoff der Blue-Jeans.
Bildquelle: unsplash.com

Die DDR-Jeans konnte mit der Levi’s Hose nicht mithalten. Der Stoff war oft zu hart, oder zu weich. Auch die Farbe passte nicht und der Auswasch-Effekt wurde auch vermisst. Die Jugend ließ sich weiterhin ihre original Levi’s Jeans heimlich von Verwandten aus dem Westen zuschicken, oder kaufte sie auf dem Schwarzmarkt. Eine letzte Option war auch hier wieder eine Reise nach Budapest: dort konnte man in manchen Hinterhof-Geschäften den beliebten Klassiker aus dem Westen erwerben. Die amerikanische Journalistin Karen Kramer nannte nach ihrer Beobachtung die DDR „das Jeans tragende Land schlechthin“. Und so bestimmte Levi’s auch weiterhin die Mode in der DDR.

Die Freizeithose einer ganzen Generation

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Tatsächlich wurde die Jeans, egal ob von Levi’s oder die eigenproduzierte DDR-Jeans, so beliebt bei der Bevölkerung, dass sogar die FDJ mittlerweile in Jeans anzutreffen war. Schätzungen gehen sogar davon aus, dass um das Jahr 1987 im Durchschnitt jeder Jugendliche in der DDR mindestens zwei Blue-Jeans im Schrank liegen hatte. Immer noch am populärsten: der Klassiker von Levi’s aus den USA. Gegen Ende der 1980er trug sie in Ostdeutschland einfach jeder. An Schulverweise und Klubverbote war da nicht mehr zu denken. Die Jeans hatte sich mehr als zwei Jahrzehnte über alle Widrigkeiten hinweggesetzt.

Im Gedächtnis bleibt die Levi’s Jeans

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DDR-Nostalgie im ausgewaschenen Blau.
Bildquelle: unsplash.com

Als 1989 schließlich die Mauer fiel, war die Blue-Jeans auf fast jedem Foto zu finden. Für die vielen, vielen Liebhaber der Hose, hat sich auch die Mode in der DDR in dieser November-Nacht geöffnet: nun konnte man unproblematisch die beliebten Originale von Levi’s und Co, aus den USA, direkt im Westen kaufen. Die DDR-Jeans wie Wisent oder Shanty werden heute nicht mehr produziert, die Werke sind geschlossen. Aber manch Einer erinnert sich noch an die Zeit, als Levi’s ein Status-Symbol für eine ganze Generation waren und an die Freudentränen, als man in seiner Blue-Jeans die Wiedervereinigung erlebte.

About Konstantin Stark

Servus und Hallo! Meine Artikel gehen oft mal über Themen wie Kultur, Sprachen und Geschichte, aber ich habe einfach vielseitige Interessen über die ich gerne viel erzähle. Auch mag ich es hin und wieder zu verreisen und andere Sprachen und Leute kennen zu lernen. Ich recherchiere gerne und bin dabei schnell für ein neues Thema zu begeistern, weshalb ich plötzlich neue Hobbys für mich entdecke und manchmal richtig in solchen Recherchen versinken kann, wie in einem „rabbithole“ - wie man so schön sagt.

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